Mit dem Wort Handy hat sich ein weiterer Anglizismus in die deutsche Sprache eingeschlichen, der irrt. Das Wort Handy ist eine deutsche Wortschöpfung, die Anfang der neunziger Jahre kreiert wurde, deren Ursprung sich aber trotzdem im Dunkel seiner recht kurzen Geschichte verliert. Gemeint ist mit der Bezeichnung Handy ein tragbares, kabelloses Telefon. Die Verbindung zwischen den Handys wird über ein digitales Funknetz hergestellt, das unter dem Begriff Mobilfunknetz bekannt ist. Die Technik des Mobilfunks ist zwar schon länger bekannt, die Nutzung dieser Technik von einer breiten Masse begann aber erst etwa zu jener Zeit, in der die Bezeichnung Handy für ein Funktelefon entstand. Die Tatsache, dass heute etwa 80% der Bürger in Deutschland ein Handy besitzen, lässt erahnen, welche Entwicklung die Mobilfunktechnik und damit auch das Handy genommen hat. Aber nicht nur in Deutschland, weltweit hat das Handy einen Siegeszug angetreten, der seinesgleichen sucht. Waren es im Jahre 2003 noch 500 Millionen Geräte, die weltweit verkauf wurden, so hat sich diese Zahl im Jahre 2008 mehr als verdoppelt.
Die Industrie, die durch den Handyboom entstanden ist , beschränkt sich natürlich nicht auf die Hersteller der Geräte. Die Nutzung des Mobilfunks ermöglichen die Betreiber der Mobilfunknetze, auch Provider genannt. Die Dienstleistungen der Provider sind breit gefächert, folglich auch die Preise. In welchem Umfang diese Leistungen beansprucht werden können, wird in Tarifen festgelegt. So entstanden die Handytarife. Es sind keine einheitlichen Tarife, sie unterscheiden sich zunächst nach Anbieter, Art und Dauer der Leistung (Telefonie oder Datenübertragung), Inanspruchnahme der Leistung an welchem Ort, zu welcher Tageszeit, an welchem Wochentag und vielem mehr. Jeder Mobilfunkanbieter hat eine Vielzahl von Handytarifen in seinem Angebot, die auf das Nutzungsverhalten des jeweiligen Kunden zugeschnitten sind. Die Leistungen der Anbieter und die Gegenleistungen der Kunden werden in Handyverträgen festgelegt. Der Handyvertrag regelt sämtliche Rechte und Pflichten sowohl der Provider als auch der Kunden. In der Regel ist der Handyvertrag ein Postpaid-Vertrag, die Leistungen der Provider werden erst dann bezahlt, nachdem sie erbracht wurden. Seit geraumer Zeit bieten die Mobilfunkanbieter auch Prepaid-Verträge an. Der Prepaid-Vertrag sieht vor, ein Guthabenkonto aufzuladen, von dem die Preise für die erbrachten Leistungen abgezogen werden.
Der wichtigste Vertriebskanal von Handys und Handytarifen ist wohl das Internet. Es ist im Einzelhandel aber auch ein Geschäftstyp entstanden, den es vor dem Handyboom noch nicht gab – das Handy-Shop. Im Handy-Shop ist alles zu kaufen, das mit Mobilfunk zusammenhängt. Handys und andere Endgeräte, Abschluss von Handyverträgen, Beratung über Handytarife, Aufladung von Prepaid-Karten, ein Handy-Shop ist für alles eingerichtet. Alle etablierten Mobilfunkanbieter betreiben Handy-Shops, die mit ihrem Logo und Schriftzug unverwechselbar gekennzeichnet sind.
Ein weiterer Geschäftszweig, der ohne Handyboom nicht denkbar wäre, ist die Handyortung. Die Mobilfunktechnik ist längst derart ausgereift, dass man den Standpunkt des Handys nicht wissen muss, um eine Verbindung herzustellen. In der Regel weiß man auch nicht, wo sich das Handy gerade befindet, mit dem man eine Verbindung sucht. Durch die Handyortung ist es dennoch möglich, den Standort des Handys zu ermitteln, freilich muss der Besitzer des Handys dazu sein Einverständnis geben. Dies geschieht einfach dadurch, dass der Handybesitzer bei seinem Provider einer Handyortung zustimmt. Online-Dienste bieten nun an, den Standort des jeweiligen Handys zu orten und auf einer digitalen Landkarte anzuzeigen. Dieser Dienst ist natürlich nicht kostenlos.
Durch die Funktionen, die heute in ein Handy eingebaut sind, wird telefonieren fast schon zur Nebensache. Fotografieren, Musik aus dem Internet laden (MobileDSL) und abspielen, Radio hören, Bilder empfangen und versenden, im Internet surfen und vieles mehr ist mit einem Gerät möglich, das in seinen Maßen kleiner als ein Geldbeutel ist. Das Handy, seit kaum zwei Jahrzehnten einer breiten Öffentlichkeit bekannt, bestimmt heute den Alltag so vieler Menschen, dass es kaum noch vorstellbar ist, jemals ohne ausgekommen zu sein.